Wir verbringen die Hälfte unseres Lebens im Inneren und in geschlossenen Räumen. Das kann die Wohnung, das Büro oder ähnliches sein. Deshalb ist es umso wichtiger richtig zu lüften um ständig frische Luft zur Verfügung zu haben.

Denn frische Luft ist gesund und spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit und Wohlbefinden. Vielen ist dabei nicht bewusst wie man richtig lüftet und welche Vorteile das mit sich bringt.

Deshalb wollen wir in folgendem Artikel auf diese Aspekte eingehen und dir zeigen, wie du immer frische Luft in deine Umgebung bringen kannst. Auch wenn du nicht im Freien bist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lüften ist gut für die Gesundheit, fördert das Wohlbefinden und wirkt Schimmel entgegen
  • Je nach Jahreszeit müssen andere Regeln befolgt werden um das optimale Raumklima zu erreichen
  • Kurzes, intensives lüften ist wirkungsvoller als Dauerlüften

Was ist richtig lüften?

Lüften bedeutet zunächst einmal das Austauschen von Luft. Doch, dass es zum Luftaustausch kommt musst du einiges beachten. Nur so kannst du ein optimales Raumklima schaffen und für deine Gesundheit vorbeugen.

Richtig lüften bedeutet nicht, dass es nur einen Weg gibt und alles andere Falsch ist, sondern, dass bestimmte Dinge beachtet werden sollen. Das Grundprinzip des Lüftens basiert nämlich auf der Wärmelehre aus der Physik. Demnach gilt:

  • Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft
  • Wenn feuchte und warme Luft abgekühlt wird, bilden sich Wassertröpfchen

Basierend auf dieser Grundlage gilt: Warme und feuchte Luft muss nach draußen und kalte, trockene Luft soll nach innen.

Offenes Fenster

Damit warme Luft nach Außen und frische nach Innen gelangt benötigt es einen Luftzug. (Bildquelle: unsplash.com / Alistair MacRobert)

Hintergründe: Was du über richtig lüften wissen solltest

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Raumluft und -temperatur in geschlossenen Räumen zu Regulieren.

Das Lüften meint dabei die Luftzirkulation basierend auf das Aufmachen von Fenstern und das Einströmen von frischer Außenluft und verdrängen der verbrauchten Luft.

Wieso richtig lüften?

Erstens ist frische Luft gut für unser Wohlbefinden in geschlossenen Räumen und die Gesundheit. Denn ohne regelmäßiges Lüften kommt es zu keinem Luftaustausch in den Räumen, das heißt der CO2-Anteil in der Luft steigt an und es kommt zu einem Sauerstoffmangel. Dadurch wirst du müde und träge.

Welche Folgen Sauerstoffmangel auf unseren Körper hat kannst du aus der folgenden Tabelle entnehmen.

Sauerstoff Folgen
20,9% Normal
20,9-15% Arbeitsvermögen lässt nach, es kommt zu Herz-, Lungen- und Kreislaufproblemen
15-12% Puls und Atmung ist erhöht, beeinträchtigte Urteilsfähigkeit
10-12% Weiterer Anstieg von Puls und Atmung, beeinträchtigte Urteilskraft, Schwindel und blaue Lippen
8-10% Übelkeit, Ohnmacht, Erbrechen
6-8% Ab 6 Minuten 50% Todesfall
0-6% Koma, Krämpfe, Atemstillstand, Tod

Parallel zum CO2-Anstieg, sammelt sich auch Feuchtigkeit und Bakterien in der Luft an. Werden diese nicht entfernt, so können sich Schimmelflecken bilden und Krankheiten übertragen werden.

Zudem kann durch richtiges Lüften die optimale Raumtemperatur geschaffen werden. So du musst weder frieren noch schwitzen in deiner Wohnung.

Die angenehme Raumtemperatur beträgt zwischen 20 und 23 Grad. Die optimale Feuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60%. Diese Werte können nur durch regelmäßigen Luftaustausch aufrechterhalten werden.

Richtig lüften gegen Schimmelbildung

Durch richtiges lüften kann der Schimmelbildung vorgebeugt werden. Denn Schimmel entsteht bei nicht ausreichender Frischluft und erhöhter Feuchtigkeit. Ist die Feuchtigkeit zu hoch, so sammelt sich das Tauwasser an der kältesten Stelle des Raumes und bildet früher oder später einen perfekten Nährboden für Schimmel.

Feuchtigkeit ist nicht die einzige Ursache für Schimmelbildung, so entsteht Schimmel vielfach auch auf Grund von Baumängel und zu kalten Wänden.

Diese kannst du kurzfristig nicht beeinflussen. Präventiv kannst du aber versuchen die Schimmelbildung auf Grund von Feuchtigkeit zu verhindern.

Normalerweise entsteht Schimmel bei 80-85% Feuchtigkeit, in Ausnahmefällen können sich Schimmelpilze jedoch schon ab 65% Luftfeuchtigkeit bilden. Hier gilt es vor allem in Trockenräumen oder Bäder besonders vorsichtig zu sein.

Expertentipp:

t-onlineMagazin

Schimmel kann schwerwiegende gesundheitliche Probleme mit sich bringen.

Durch das Einatmen der Pilzsporen kann es zu Allergien, Atemwegserkrankungen, andauernde Kopfschmerzen, Schnupfen, roten Augen und Husten kommen.

(Quelle: t-online.de)

Richtig lüften und Energie sparen

Durch richtiges Lüften wird die Ruamtemperatur versucht auf einem gleichmäßigen Stand zu halten. Unsere Heizung versucht dasselbe.

Wenn ich nun lüfte und kalte Luft hereinlasse, dann muss anschließend die Heizung wieder vermehrt Wärme erzeugen um die Raumtemperatur wieder auf dieselbe Temperatur zu bekommen. Das benötigt zusätzliche Energie.

Wenn du nun deine Heizung kontinuierlich angeschaltet hast und immer nur einen kurzen Luftaustausch nach außen hast, so kommt es nie zu einem derartigen Ungleichgewicht und überschüssige Heizkosten können vermieden werden.

Denn die Heizung muss nicht kontinuierlich immer wieder kalte Luft aufwärmen wie sie es beim Dauerkippen muss.

Was tun für richtig lüften: 5 Tipps für den optimalen Luftaustausch

Als Grundregel zum richtigen Lüften gilt: möglichst oft, möglichst kurz und möglichst kräftig. Durchschnittlich sollten geschlossene Räume alle 2 bis 3 Stunden gelüftet werden und somit die Luft komplett ausgetauscht werden.

Dabei kannst du dich an deinem täglichen Rhythmus orientieren und einmal Morgens nach dem Schlafen, zu Mittags, am Abend und vor dem Schlafen gehen lüften.

Richtig lüften: Stoßlüften

Stoßlüften oder auch Querlüften bedeutet nichts anderes als, dass gegenüberliegende Fenster geöffnet werden. Dies ist die effektivste Art zum Lüften, denn innerhalb kürzester Zeit kann durch die Entstehung eines Durchzuges die alte Luft mit neuer ausgetauscht werden.

Offenes Fenster mit Aussicht auf Stadt

Beim Stoßlüften sollten die Fenster so weit wie möglich geöffnet werden, dadurch wird ein besserer Luftaustausch garantiert. (Bildquelle: unsplah.com / Isaiah Bekkers)

Durch Stoßlüften kommt nicht nur sehr schnell neue und frische Luft in die Wohnung, es ist auch energiesparender. Denn die Heizung muss nicht konstant versuchen die ausgetauschte Luft zu erwärmen.

Zusätzlich werden bei der Dauerkipplüftung die Wände ausgekühlt, was wiederum die Schimmelbildung erleichtert.

Stoßlüftung kann je nach Art und Weise besser oder schlechter Wirken. Am besten ist es, wenn Fenster in entgegengesetzten Räumen aufgemacht werden und somit die Luft auf Grund des Durchzuges durch die gesamte Wohnung strömt.

Richtig lüften: Länge

Wie lange du lüften solltest hängt von verschiedenen Faktoren wie Temperaturdifferenzen, Windverhältnissen oder baulichen Gegebenheiten ab. Wir haben dir hier einige Richtwerte angegeben. Diese entnimmst du am besten aus der nachstehenden Tabelle.

Lüftung Richtwert Lüftungsdauer
Querlüftung ca. 2 Minuten
geöffnetes Fenster ca. 4-8 Minuten
Kippen von gegenüber gelegenen Fenstern ca. 6-15 Minuten
Kippen ca. 30-120 Minuten

Grundsätzlich hat richtig lüften den Vorteil, dass du weniger Lange lüften musst. Denn durch die richtige Vorgehensweise beim Lüften wird die Luft schneller ausgetauscht und folglich vermindert sich die Lüftungsdauer.

Richtig lüften bei Feuchtigkeit

In Räumen, die generell etwas mehr Luftfeuchtigkeit haben wie z.B. Küche oder Bad muss besonders auf den Luftaustausch geachtet werden, um eine Schimmelbildung zu vermeiden.

Ob Sommer oder Winter muss hier versucht werden die feuchte Luft aus den Räumen zu bringen. Wenn die Luftfeuchte der Außentemperatur höher ist als jene innen, so sollte versucht werden den Luftausgleich mit anderen Räumen zu erzielen.

Expertenbox:

Rahlstedt BautagebuchHausbau-Blog

Besonders in Kellerräumen scheint das Lüften oftmals eine Herausforderung zu sein, denn der Keller ist meistens kälter als die übrigen Räume.

In diesem Fall sollte nur dann gelüftet werden, wenn die Außentemperatur mindestens fünf Grad unter Raumtemperatur liegt, sprich früh morgens oder spät abends.

(Quelle: rahlstedt-bautagebuch.de)

Richtig lüften im Winter

Im Winter, wenn es draußen Kalt ist und in deiner Wohnung angenehm Warm solltest du trotzdem das Lüften nicht vergessen. Denn schließlich staut sich auch im Winter der CO2-Anteil.

Beim Lüften im Winter sollte deshalb nur kurz die Fenster weit geöffnet werden, damit der Luftaustausch stattfinden kann und trockene, kalte Luft in die Räume eindringen kann. Dabei muss die Heizung abgeschaltet werden um einen überflüssigen Energieverbrauch zu vermeiden.

Um einen drastischen Temperaturabfall zu vermeiden sollte nach spätestens fünf Minuten die Fenster wieder geschlossen werden. Das Lüften sollte auch im Winter drei- bis fünfmal täglich passieren.

foco

Wusstest du, dass du, öfter lüften solltest, je kühler die Zimmertemperatur ist?

Richtig lüften im Sommer

Gleich wie im Winter soll auch im Sommer mittels Stoßlüftung, sprich weit offenen Fenstern gelüftet werden. Im Gegensatz zum Winter kommt im Sommer oft eine feuchte, warme Luft in die Wohnung.

Das Lüften im Sommer muss deshalb auf zweimal täglich, am besten am Morgen und späten Abend reduziert werden. Zu dieser Zeit ist die Außentemperatur nämlich noch etwas kühler. Auf Grund des reduzierteren Lüftens sollte der Luftaustausch generell etwas länger stattfinden.

Am besten ca. eine halbe Stunde, dadurch kann garantiert werden, dass die Verbrauchte Luft ausgetauscht wird.

Trivia: Was du sonst noch über richtig lüften wissen solltest

Dass Lüften gut für dich und dein Wohlbefinden ist hast du nun erfahren. Zusätzlich haben wir dir aufgezeigt wie du am effizientesten lüftest, auch in Abhängigkeit der verschiedenen Jahreszeiten.

Nun kann es jedoch sein, dass auf Grund von bestimmten Gegebenheiten du noch zusätzliche Fragen zum Thema richtig lüften hast. Deshalb wollen wir hier nochmals relevante Fragen aufgreifen.

Richtig lüften nach Estrichtrocknung

In diesem Fall sollte mit dem Lüften erst nach sieben Tagen begonnen werden. Ansonsten kann es dazu kommen, dass der Luft die Feuchtigkeit entzogen wird.

Diese wird vom Zement jedoch für den weiteren Abbindeprozess benötigt. Zu hohe Luftbewegung kann die Austrocknung verhindern.

Der Lüftungsprozess hängt jedoch auch vom verlegten Material ab, so solltest du dich bei deinem Estrichverleger nochmals bezüglich des lüftens erkundigen. Nach den ersten sieben Tagen sollte die Lüftung mittels Stoßlüftung durchgeführt werden um einen vollkommenen Luftaustausch garantieren zu können.

Richtig lüften und Wäsche trocknen

Wenn du gezwungen bist deine Wäsche in deiner Wohnung trocknen zu lassen, dann solltest du auf jeden Fall einige Regeln befolgen um deine Gesundheit nicht zu schädigen.

Denn in einem Korb nasser Wäsche stecken ca. zwei Liter Wasser, welche irgendwo hin müssen.

Um eine Schimmelbildung in deiner Wohnung zu vermeiden muss deshalb richtig gelüftet werden. Das heißt, das Zimmer in welchem du die Wäsche trocknen möchtest muss gründlich durchgelüftet werden. Demnach solltest du zu Mindestens am Morgen und Abend für ca. zehn Minuten Stoßlüften.

Richtig lüften bei Pollenallergie

Bei Pollenallergie kann das Lüften schon einmal zum Verhängnis werden. Pollen können durch die offenen Fenster und den entstehenden Durchzug eindringen, dadurch treten Allergiesymptome wie trockene Schleimhäute, laufende Nase und rote Augen auf.

Biene auf Blume

Viele Menschen haben eine Pollenallergie, auch Heuschnupfen genannt. Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion auf die Pollen, meistens von Gräsern. (Bildquelle: unsplash.com / Aaron Scamihorn)

Wenn du also eine Pollenallergie hast, so musst du beim Lüften besonders Acht geben. So solltest du nur dann lüften, wenn die Pollenkonzentration in der Luft sehr gering ist. Das ist meistens am frühen Morgen oder späten Abend. Starker Wind unterstützt die Pollenkonzentration, in diesem Fall solltest du ganz auf das Lüften verzichten.

In diesem Fall könnte eine Komfortlüftung oder ähnliches eine sinnvolle Anschaffung sein. Jedoch reduziert sich die Pollenallergie, je nach Ausprägung meistens auf Frühjahr/Anfang Sommer. Hier gilt es für dich selbst abzuwägen wie schlimm die Symptome sind.

Kippen sollte jedoch auf jeden Fall vermieden werden, da dort ständig Pollen eintreten können.

Richtig lüften: Merkblatt für Mieter

Um auch bei Vermietung Schimmelbildungen zu vermeiden gibt es meistens ein Merkblatt für Mieter,welches diese über das Lüftverhalten aufklärt. Dies dient auch als Grundlage im Falle eines Rechtsstreites sofern der Mieter für den Schaden verantwortlich gemacht wird.

Es gibt mehrere verschiedene, am besten solltest du deinen Mieter fragen, ob du eines direkt von ihm bekommst. In diesen Merkblättern steht meistens die Soll-Zimemrtemperatur und werden Anweisungen zum Lüft- und Heizverhalten gegeben.

Fazit

Lüften ist ein wesentlicher Faktor der zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Deshalb sollte auch richtig gelüftet werden. Dabei ist Stoßlüften die optimale Lösung, denn dadurch kann vergewissert werden, dass die gesamte Luft im Inneren durch neue und frische Luft ersetzt wird.

Je nach Jahreszeit sollten andere Regeln befolgt werden um das richtige Raumklima aufrecht zu halten. Besonders aufzupassen ist bei feuchten Räumen, hier muss besonders oft und gründlich gelüftet werden.

Generell gilt: Lüfte kurz, oft und kräftig, sprich mit weit offenen Fenstern. Dadurch kannst du Bakterien den Rücken zu kehren und Schimmelpilze vermeiden.

Als Zusammenfassung kannst du dir auch nochmal das folgende Video ansehen. Dort werden die einzelnen Punkte nochmals kurz zusammengefasst.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://www.consumer.bz.it/de/richtiges-lueften-vermeidet-schimmel-und-spart-energie

[2] https://www.t-online.de/heim-garten/haushaltstipps/id_68216696/schimmel-dauerhaft-im-haus-entfernen-hilfreiche-tipps-und-methoden.html

Bildquelle: pixabay.com / Free-Photos

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